Mona Fink Psychotherapeutin in Fachausbildung unter Lehrsupervision TERMIN VEREINBAREN

Yoga in der Psychotherapie: Was der Körper zur Veränderung beiträgt

Wer in Psychotherapie geht, stellt sich meistens ein Gespräch vor. Man sitzt sich gegenüber, erzählt, denkt nach und sucht nach neuen Sichtweisen. Das ist auch ein wichtiger Teil der Arbeit. Aber wir sind nicht nur Kopf. Angst und Panik sitzen in der Brust, Ärger in der Faust, Traurigkeit wie ein Kloß im Hals. Und manchmal weiß der Körper früher als der Verstand, dass etwas nicht stimmt.

Als systemische Psychotherapeutin (in Fachausbildung unter Lehrsupervision) sehe ich Menschen als ein System aus Körper, Geist und Seele, eingebettet in ihr Umfeld und ihre Beziehungen. Meine Erfahrungen mit Klinischer Hypnose (nach Milton Erickson) und mit dem Unterrichten von Yoga haben mir immer wieder gezeigt, wie viel diese Ansätze verbindet. Alle drei arbeiten mit der Aufmerksamkeit und holen sie ins Hier und Jetzt. Alle drei helfen, einen kleinen Abstand zu den eigenen Gedanken und Gefühlen zu finden, um sie beobachten zu können, statt von ihnen mitgerissen zu werden. Und alle drei nutzen Körper und Atem als Weg zur Beruhigung und als Zugang zu den eigenen Ressourcen.

Der Körper gehört zum System

In der systemischen Therapie schauen wir auf Wechselwirkungen: zwischen Menschen, zwischen Gedanken und Verhalten, zwischen dem, was jemand erlebt, und dem Umfeld, in dem er lebt. Der eigene Körper ist Teil dieses Systems. Wenn du unter Stress stehst, wird dein Atem flacher, die Muskeln spannen sich an, der Blick wird enger. Das wirkt wieder auf deine Gedanken zurück, und so entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Diesen Kreislauf kann man an verschiedenen Stellen unterbrechen. Über ein Gespräch, über einen neuen Gedanken, oder eben über den Körper. Manchmal ist der Körper sogar der leichtere Einstieg. Es ist schwer, sich selbst zu sagen: „Beruhig dich.“ Es ist leichter, die Ausatmung ein bisschen länger werden zu lassen.

Was Yoga anbieten kann

Yoga besteht nicht nur aus Körperhaltungen. Die alte Yogaphilosophie beschreibt Yoga als das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen im Geist. Dafür gibt es verschiedene Wege, und einige davon passen gut in die therapeutische Arbeit.

Der Atem ist der direkteste. Wie wir atmen, hängt eng damit zusammen, wie aufgeregt oder ruhig wir uns fühlen, und wir können ihn bewusst beeinflussen. Eine Übung, die ich gerne zeige, ist Bhramari, der Bienenatem: Du atmest ein und summst beim Ausatmen leise vor dich hin. Die Ausatmung wird dadurch automatisch länger. Die Vibration des Summens regt den Vagusnerv an und aktiviert damit den Parasympathikus, also den Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Der Körper kommt runter, und die Aufmerksamkeit wendet sich nach innen. Viele merken schon nach ein paar Atemzügen einen Unterschied.

Auch Körperhaltungen verändern, wie wir uns fühlen. Fest auf beiden Füßen zu stehen und den Boden zu spüren, kann Halt geben, wenn innerlich alles schwankt. Eine nach vorne gebeugte Haltung wie die Kindhaltung kann sich nach Rückzug und Schutz anfühlen.

In der systemischen Therapie und in der Hypnose geht es oft darum, einen Schritt zurückzutreten und sich selbst zuzuschauen. Systemisch nennen wir das die Beobachterposition. In der Hypnose nutzen wir sie, indem ein Teil von dir etwas erleben darf, während ein anderer Teil es mit Ruhe betrachtet. Genau das übt man auch in der Meditation. Gedanken kommen und gehen, Gefühle steigen auf und flauen wieder ab, und ein Teil von dir kann das einfach bemerken. Du hast Angst, aber du bist nicht nur die Angst. Aus diesem kleinen Abstand heraus wird ein Gefühl oft weniger bedrohlich. Mit Yoga kannst du diese Haltung im Alltag immer wieder üben.

Ein Werkzeug für Emotionsregulation

Wenn ich Yoga in die Therapie einbringe, geht es meistens um eine Frage: Wie kannst du mit starken Gefühlen umgehen, ohne von ihnen überrollt zu werden und ohne sie wegzudrücken?

Die Yogatradition hat dafür ein schönes Bild. Sie unterscheidet drei Qualitäten: Unruhe und Getriebensein, Schwere und Erstarrung, und dazwischen einen Zustand von Klarheit. Das passt erstaunlich gut zu dem, was die Psychologie heute über Über- und Untererregung weiß. Wer innerlich rast, braucht etwas Beruhigendes. Wer wie eingefroren ist, braucht eher etwas, das sanft aktiviert. Eine einfache Frage zu Beginn kann also lauten: Bist du gerade eher unruhig, eher schwer oder eher klar? Die passende Übung ergibt sich dann daraus.

Das Ziel ist nicht, dass du nichts mehr fühlst. Es geht darum, ein Gefühl halten zu können, es anzuschauen und dann zu entscheiden, was du damit machst.

Wie das in der Praxis aussieht

Niemand muss bei mir Yoga machen. Die Körperübungen sind ein Angebot, und du entscheidest, ob du es annimmst. Es braucht keine Matte, keine besondere Kleidung und keine Erfahrung. Vieles geht im Sitzen auf dem Sessel und dauert nur ein paar Minuten: ein paar bewusste Atemzüge, die Füße am Boden spüren, die Hände auf den Bauch legen.

Ich achte darauf, dass du jederzeit die Kontrolle behältst. Du kannst die Augen offen lassen, eine Übung abbrechen oder etwas verändern. Gerade bei belastenden Erfahrungen ist das wichtig, denn nicht jede Übung tut jedem gut. Manche Atemtechniken können zum Beispiel aufwühlen statt beruhigen. Deshalb probieren wir aus, beobachten und passen an.

Das Schöne an diesen kleinen Übungen ist, dass du sie mitnehmen kannst. In die Prüfung, ins schwierige Gespräch, in die Nacht, in der du nicht schlafen kannst. Dein Atem ist immer dabei.

Für wen das passt

Yoga in der Therapie kann hilfreich sein, wenn du dich oft gestresst oder überfordert fühlst, wenn Gefühle dich schnell überrollen, wenn du dich in Gedankenschleifen verfängst oder wenn du einfach merkst, dass Reden allein nicht ganz reicht. Es ersetzt die therapeutische Arbeit nicht, aber es kann sie um eine Ebene erweitern.